Hinweis zur deutschen Fassung:
Dieser Artikel erscheint auch in deutscher Sprache, weil die Geschichte der Imkerei in Vrchlabí (Hohenelbe) eng mit den ehemaligen deutschsprachigen Bewohnern des Riesengebirges verbunden ist. Vielleicht befinden sich noch heute in Familienalben und Nachlässen in Deutschland Fotografien, Briefe oder Dokumente, die helfen können, diese fast vergessene Geschichte weiter zu ergänzen. Wenn Sie einen Bezug zu Hohenelbe, Herlikowitz oder zur Familie Rotter haben, freue ich mich über jede Nachricht.
Poznámka k německé verzi:
Tento článek vychází také v němčině, protože historie včelařství ve Vrchlabí (Hohenelbe) je úzce spojena s někdejšími německy mluvícími obyvateli Krkonoš. Možná se ještě dnes v rodinných albech a pozůstalostech v Německu nacházejí fotografie, dopisy nebo dokumenty, které mohou pomoci tuto téměř zapomenutou historii dále doplnit. Pokud máte vztah k Vrchlabí, Herlíkovicím nebo rodině Rotterových, budu rád za každou zprávu.
Als ich vor einiger Zeit begann, in Archiven nach den Anfängen des Imkervereins bei uns in Vrchlabí zu forschen, rechnete ich mit vielem – mit alten Aufzeichnungen, den Namen örtlicher Landwirte und kleinen Geschichten aus dem Vereinsleben. Doch dann stieß ich auf eine Spur, die mich wirklich überraschte. Ich entdeckte den Namen eines Mannes, der in der Zwischenkriegszeit Herlíkovice im Riesengebirge zu einem Ort bemerkenswerter bienenkundlicher Forschung machte, seine Erkenntnisse auch im Ausland veröffentlichte und dennoch nach 1945 fast vollständig in Vergessenheit geriet.
Ich möchte Ihnen Egon Rotter vorstellen – Rittmeister, Biologe, gebürtiger Hohenelber und vergessener „Bienenvater“ des Riesengebirges, dessen Geschichte ich nach Jahrzehnten wieder ans Licht bringen konnte.
Der Fabrikantensohn mit der Seele eines Wissenschaftlers
Den Namen Rotter kennt in Vrchlabí wohl fast jeder. Egons Vater Guido Franz Rotter gehörte zu den bedeutenden Hohenelber Industriellen und Mäzenen, und die Familie Rotter hat die Geschichte unserer Stadt und des Riesengebirges wesentlich mitgeprägt.
Egon wurde am 17. Mai 1886 in Oberhohenelbe geboren. Seine Mutter war Alma Rotter, geborene Ehinger. Er hatte außerdem einen jüngeren Bruder Guido, der später im Familienunternehmen tätig war.
Die Familienfabrik F. A. Rotter & Söhne in Oberhohenelbe (Hořejší Vrchlabí).
Während ein großer Teil der Geschichte der Familie Rotter vor allem mit Industrie, Textilproduktion und Skisport verbunden ist, fand Egon nach und nach seinen eigenen Weg. Dieser führte ihn zu den Naturwissenschaften und vor allem zu den Bienen.
Er war jedoch keineswegs nur ein Forscher, der zwischen Büchern und Bienenstöcken lebte. Er hatte eine eigene Familie. Seine Frau hieß Hertha, und in den erhaltenen Volkszählungsunterlagen erscheint auch ihr Sohn Harald Viktor. Gerade solche kleinen familiären Spuren helfen uns heute, Egon Rotter nicht nur als Bienenforscher, sondern auch als Menschen zu sehen, der im damaligen Oberhohenelbe ein ganz gewöhnliches Familienleben führte.
Obwohl er mit dem Familienunternehmen verbunden war, widmete er einen erheblichen Teil seiner Zeit und offenbar auch seiner eigenen finanziellen Mittel der Imkerei und Forschung.
Afrikanische Bienen im rauen Riesengebirge
Das wohl Interessanteste spielte sich jedoch im Schneckengraben – dem heutigen Hlemýždí údolí – in Herlíkovice ab.
Gerade hier betrieb Egon Rotter seine experimentelle Bienenhaltung und führte Versuche durch, die weit über die Grenzen der gewöhnlichen örtlichen Imkerei hinausgingen.
Rotter beschäftigte sich unter anderem mit den Eigenschaften verschiedener geografischer Populationen der Honigbiene und ihrer Fähigkeit, sich an unterschiedliche Bedingungen anzupassen. Durch ihn gelangten auch Bienen aus dem Mittelmeerraum und anderen Regionen ins Riesengebirge, beispielsweise die Ägyptische Honigbiene (Apis mellifera lamarckii) oder Bienen zyprischer Herkunft.
Unter den rauen Bedingungen des Gebirges beobachtete er ihre Überwinterung, ihr Verhalten und weitere Eigenschaften. Die Ergebnisse seiner Beobachtungen blieben nicht nur in seinen eigenen Aufzeichnungen. Rotter veröffentlichte Facharbeiten, und sein Name findet sich auch in der internationalen bienenkundlichen Literatur, unter anderem in der britischen Zeitschrift The Bee World.
Dies zeigt, dass seine Arbeit keineswegs nur eine lokale Besonderheit war. Aus einem kleinen Tal unter den Hängen des Riesengebirges beteiligte sich Egon Rotter an der damaligen internationalen Diskussion über Biologie und Bienenzucht.
Bienen brauchen nicht nur Bienenstöcke, sondern auch eine Landschaft
Rotter interessierte sich nicht nur für die Bienen selbst.
Große Aufmerksamkeit widmete er auch Pflanzen, die den Bienen Nektar und Pollen liefern. Nach erhaltenen Erinnerungen und späteren Berichten säte er auf kargen Flächen im Riesengebirge bienenfreundliche Pflanzen aus und versuchte, die Bienenweide in der Umgebung seiner Standorte zu verbessern.
Dieser Teil seiner Arbeit mag unscheinbar erscheinen, ist aus heutiger Sicht jedoch ausgesprochen interessant. Der Gedanke, dass ein guter Imker nicht nur für seine Bienenvölker sorgen sollte, sondern auch für die Landschaft, in der sie leben, wirkt erstaunlich modern.
Noch in Erinnerungen aus der Nachkriegszeit finden sich Hinweise darauf, dass manche Wiesen in der Umgebung von Vrchlabí dank solcher Aussaaten besonders reich an blühenden Pflanzen waren.
Das Jahr 1945 teilte ein Leben in zwei Hälften
Das Ende des Zweiten Weltkriegs bedeutete für die deutschen Einwohner von Hohenelbe ebenso wie für die Familie Rotter einen tiefen Einschnitt.
Die Familie verlor ihre bisherige Lebensgrundlage, und Egon Rotter verließ das Riesengebirge und ging nach Deutschland. Sein weiteres Leben verbrachte er im Raum Zeitz in der späteren Deutschen Demokratischen Republik.
Doch auch nach dem Verlassen seiner Heimat vergaß er die Bienen nicht. Er beschäftigte sich auch in Deutschland weiterhin mit Imkerei und Biologie, und sein Name erscheint noch lange nach dem Krieg in Fachquellen.
An dieser Stelle beginnt zugleich ein weiterer Teil der Geschichte, der nicht mehr nur Egon Rotter betrifft.
Was geschah nach 1945 mit den ursprünglichen Bienenvölkern, Bienenständen und Geräten der deutschen Imker? Wer übernahm ihre Arbeit? Und wie entwickelte sich aus den Nachkriegsverhältnissen allmählich die neue tschechische organisierte Imkerei in Vrchlabí und Umgebung?
Genau diesem Thema werde ich mich in einem eigenen Artikel über die Geschichte des Imkervereins in Vrchlabí widmen.
Die letzten Jahre
Egon Rotter lebte nach dem Krieg in Zeitz und blieb bis ins hohe Alter in der Imkerei aktiv.
Er starb am 6. September 1966 im Alter von 80 Jahren.
Nachruf auf Egon Rotter aus dem Jahr 1966 mit tschechischer Übersetzung. Der zeitgenössische Text erinnert an seine Bedeutung für die Bienenforschung sowie an seine botanische Tätigkeit.
Es ist erstaunlich, wie schnell die Erinnerung an einen Menschen verschwinden kann, dessen Arbeit einst weit über die Grenzen seiner Region und der damaligen Tschechoslowakei hinausreichte.
In Vrchlabí blieb der Name Rotter vor allem mit Industrie und Skisport verbunden. Egons Kapitel als Imker und Bienenforscher geriet dagegen fast vollständig in Vergessenheit.
Gerade deshalb, denke ich, verdient es, wieder in Erinnerung gerufen zu werden.
Eine große Herausforderung für die Forschung: Wir suchen Egons Gesicht
Bei meinen Nachforschungen zur Geschichte der Imkerei in Vrchlabí ist es mir gelungen, überraschend viele Teile von Egons Lebensgeschichte zusammenzufügen – von Familien- und Volkszählungsunterlagen über seine wissenschaftlichen Arbeiten bis hin zu Informationen über sein Leben nach dem Krieg in Deutschland.
Eine entscheidende Sache fehlt mir jedoch noch immer.
Sein Foto.
Bis heute ist es mir nicht gelungen, auch nur ein einziges eindeutig identifiziertes Porträt von Egon Rotter zu finden.
Deshalb wende ich mich an Sie – an Imker, Zeitzeugen, Nachkommen der ehemaligen Einwohner von Hohenelbe und an alle, die sich für die Geschichte des Riesengebirges interessieren.
Besitzen Sie vielleicht in alten Familienalben Fotografien von Imkern, Bienenständen oder vom Leben in Oberhohenelbe und Herlikowitz aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts?
Befinden sich in Ihrem Familiennachlass vielleicht deutsche Imkerzeitschriften, Vereinsfotografien oder Aufnahmen aus dem Schneckengraben?
Jedes Foto und jeder noch so kleine Hinweis kann wichtig sein.
Wenn Sie irgendeine Spur haben, würde ich mich sehr freuen, wenn Sie sich über diese Webseite oder über den Imkerverein ZO ČSV Vrchlabí bei mir melden.
E-Mail: zovrchlabi@vcelarstvi.cz
oder: romanfrana@seznam.cz
Vielleicht liegt irgendwo in einem alten Familienalbum noch immer das Foto jenes Mannes, der vor fast hundert Jahren unter den Hängen des Riesengebirges versuchte, Bienen zu halten und zu erforschen, deren Herkunft bis nach Afrika reichte.
Roman Frána
Vrchlabí
Quellen und weiterführende Literatur
Egon Rotter – Rational Bee-Keeping
The Bee World, 1922
Egon Rotter – The Size of the Brood-Chamber in Relation to Swarming
The Bee World, 1922
Egon Rotter – Bee-Keeping in an Unfavourable Climate
The Bee World, 1923
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